Zeugniskonferenz
Books als Textcoach. Grundschulzeugnisse, Abt. 'Verbale Beurteilungen des allg. Arbeits- und Sozialverhaltens'. Der Coach, mit dem 'Zeugniscode' in Arbeitszeugnissen vertraut ('Der Mitarbeiter bemühte sich' und so), liegt bereits nach dem 3. Satz gackernd unter dem Tisch ...
z.B. [Namen sind ersetzt]
Meist [!] war Hans-Peter bemüht [!], das Unterrichtsgeschehen aufmerksam und aktiv zu verfolgen. In Bereichen, die ihn interessierten [!], konnte [!] er bei Unterrichtsgesprächen gute Beiträge leisten. Meist [!] konnte [!] er sich an Regeln halten ...
Books: Hihi ... Wie wär's denn mit: 'Wenn er den Inhalt einer regelmäßig wiederholten Regel erfasste, konnte er sich oft daran halten ... '
Gegenüber seinen Lehrerinnen war er freundlich und mitteilsam.
Books kichert: Hübsches Wort: 'mitteilsam'! Das merk ich mir!
Frau B: Na ja, so ist er schon nett, aber der quatscht dir halt das Ohr ab!
Auf neue Lerninhalte ließ sie sich bereitwillig ein und mit Fleiß und ständigen Wiederholungen [!] gelang es ihr oft [!], sich neue Informationen zu merken.
Books: ... und sie, äh, gelegentlich auch zu verstehen?
Frau B: Na ja. Jedenfalls ist das noch freundlich gesagt. Eigentlich ...
Books: Na dann lassen wir das doch so.
Auf neue Lerninhalte stellte er sich bereitwillig ein, jedoch ...
Books: Hatten wir das nicht gerade schon?
Frau B, am Rande der Nerven: Was soll ich denn sonst schreiben!?!
Books: Ist ja durchaus OK.
Frau B: Oder 'konnte' er sich ... ? Auch nicht immer! Ach, streich's raus, geh!
... jedoch konnte er sich nicht immer an Ergebnisse zurückliegender Stunden erinnern.
Books: Da hast du ja dein 'konnte'. Oder schreiben wir doch 'Er litt unter partieller Amnesie'!
Frau B: Na ja, ich glaube, er ist gar nicht ganz so dumm ...
Otto zeigte sich als aufgeweckter Schüler
Books, mit einem Seitenblick auf die Fachnoten: Äh... und dann hat er lauter 3en und 4en?
Frau B: Na, das ist halt so Lehrerjargon für Kinder, die dauernd Mist machen! Die Knalltüte!
Nicht immer waren alle Arbeitsmaterialien vorhanden.
Books: Mit anderen Worten, die hatte ihr Zeug nie dabei?
Frau B rollt vielsagend mit den Augen und schnaubt unartikuliert.
Mit seiner kommunikativen Art ist es ihm innerhalb kurzer Zeit gelungen, verlässliche und kameradschaftliche Beziehungen aufzubauen. Allerdings nahm er auch während des Unterrichts gerne Kontakt zu seinen MitschülerInnen auf ...
Books: Ich kann mir das jetzt so etwa vorstellen ...
Frau B: Der macht mich noch wahnsinnig!
[etc.]
-
Anmerkung: Die Lustigkeit der Situation ist dem Stress der Pädagogin am Schuljahresende geschuldet. Diese Zeugnisse werden mit sehr viel Arbeit, Ernst und durchweg mit Wohlwollen und pädagogischem Impetus erstellt. Meist wird wohlwollend nach oben hin formuliert.
Sonja bemühte sich, den Unterricht zu verfolgen.
Books fragt auch hier ein wenig nach, und was er dann hört, macht ihm das Herz schwer und lässt das Zeugnismenü vor seinen Augen verschwimmen. Alles unterhalb von 'gut', und überhaupt diese Sortiererei und ihre Auswirkungen, und was an einzelnen kleinen Leben dahinter liegt (oder biografisch davor), kommt ihm im Moment unglaublich traurig vor ...
Frau B, etwas überrascht: Bei Kindern, die du gar nicht kennst?
Books: Na und?
z.B. [Namen sind ersetzt]
Meist [!] war Hans-Peter bemüht [!], das Unterrichtsgeschehen aufmerksam und aktiv zu verfolgen. In Bereichen, die ihn interessierten [!], konnte [!] er bei Unterrichtsgesprächen gute Beiträge leisten. Meist [!] konnte [!] er sich an Regeln halten ...
Books: Hihi ... Wie wär's denn mit: 'Wenn er den Inhalt einer regelmäßig wiederholten Regel erfasste, konnte er sich oft daran halten ... '
Gegenüber seinen Lehrerinnen war er freundlich und mitteilsam.
Books kichert: Hübsches Wort: 'mitteilsam'! Das merk ich mir!
Frau B: Na ja, so ist er schon nett, aber der quatscht dir halt das Ohr ab!
Auf neue Lerninhalte ließ sie sich bereitwillig ein und mit Fleiß und ständigen Wiederholungen [!] gelang es ihr oft [!], sich neue Informationen zu merken.
Books: ... und sie, äh, gelegentlich auch zu verstehen?
Frau B: Na ja. Jedenfalls ist das noch freundlich gesagt. Eigentlich ...
Books: Na dann lassen wir das doch so.
Auf neue Lerninhalte stellte er sich bereitwillig ein, jedoch ...
Books: Hatten wir das nicht gerade schon?
Frau B, am Rande der Nerven: Was soll ich denn sonst schreiben!?!
Books: Ist ja durchaus OK.
Frau B: Oder 'konnte' er sich ... ? Auch nicht immer! Ach, streich's raus, geh!
... jedoch konnte er sich nicht immer an Ergebnisse zurückliegender Stunden erinnern.
Books: Da hast du ja dein 'konnte'. Oder schreiben wir doch 'Er litt unter partieller Amnesie'!
Frau B: Na ja, ich glaube, er ist gar nicht ganz so dumm ...
Otto zeigte sich als aufgeweckter Schüler
Books, mit einem Seitenblick auf die Fachnoten: Äh... und dann hat er lauter 3en und 4en?
Frau B: Na, das ist halt so Lehrerjargon für Kinder, die dauernd Mist machen! Die Knalltüte!
Nicht immer waren alle Arbeitsmaterialien vorhanden.
Books: Mit anderen Worten, die hatte ihr Zeug nie dabei?
Frau B rollt vielsagend mit den Augen und schnaubt unartikuliert.
Mit seiner kommunikativen Art ist es ihm innerhalb kurzer Zeit gelungen, verlässliche und kameradschaftliche Beziehungen aufzubauen. Allerdings nahm er auch während des Unterrichts gerne Kontakt zu seinen MitschülerInnen auf ...
Books: Ich kann mir das jetzt so etwa vorstellen ...
Frau B: Der macht mich noch wahnsinnig!
[etc.]
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Anmerkung: Die Lustigkeit der Situation ist dem Stress der Pädagogin am Schuljahresende geschuldet. Diese Zeugnisse werden mit sehr viel Arbeit, Ernst und durchweg mit Wohlwollen und pädagogischem Impetus erstellt. Meist wird wohlwollend nach oben hin formuliert.
Sonja bemühte sich, den Unterricht zu verfolgen.
Books fragt auch hier ein wenig nach, und was er dann hört, macht ihm das Herz schwer und lässt das Zeugnismenü vor seinen Augen verschwimmen. Alles unterhalb von 'gut', und überhaupt diese Sortiererei und ihre Auswirkungen, und was an einzelnen kleinen Leben dahinter liegt (oder biografisch davor), kommt ihm im Moment unglaublich traurig vor ...
Frau B, etwas überrascht: Bei Kindern, die du gar nicht kennst?
Books: Na und?
7 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
katiza - 17. Jul, 16:07
Kleine und größere Leben
in Zeugnisworten sortiert haben tatsächlich etwas sehr trauriges, Herr Direktor Alberti
nanou - 17. Jul, 16:15
Oh je! Schon allein das Wort der Überschrift ließ mich zusammenzucken ... (Da werden Erinnerungen an früher wach ...)
Das wollte sie vorschicken. Den Rest liest sie erst jetzt.
Das wollte sie vorschicken. Den Rest liest sie erst jetzt.
tinius - 17. Jul, 21:57
Ich wundere mich über die verwendete "Code - Sprache". Bei Arbeitszeugnissen ergibt das ja noch teilweise Sinn, weil unterschwellig Informationen vermittelt werden sollen, deren offene Nennung Anfechtungsklagen zur Folge hätten - aber in der Beurteilung von Schülern könnte man das doch klarer und vor allem stimmiger formulieren. Wieviele Eltern verstehen denn überhaupt die sehr versteckte Kritik und können dann entsprechend handeln ? Ich fürchte, es bleiben recht wenige.
katiza - 18. Jul, 13:21
Was wäre entsprechend handeln?
books and more - 18. Jul, 13:57
Nun ja, lieber Tinius, im Beitrag finden Sie auch ausgesuchte 'Highlights' ;-) Gar so codiert ist das im Einzelfall normalerweise nicht. Z.B. steht da auch 'Er könnte seine Hausaufgaben gewissenhafter und pünktlicher erledigen' (als positive Formulierung des direkteren 'Er hatte seine Hausaufgaben oft nicht gemacht und dazu noch schluderig' - aber immer noch, wie ich finde, aussagekräftig und in Handlung umsetzbar).
Ein weiterer Punkt ist übrigens, dass die Texte ja auch von den Kindern gelesen werden! Da ist es bestimmt sinnvoll weil achtsamer und motivierender, statt fixierender Einordnungen ('Sie war eine faule Schülerin, die ihre Sachen nicht in Ordnung halten konnte') eher Prozesse, und die wiederum - falls möglich - positiv zu beschreiben ('Es gelang ihr mehr und mehr, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Ihre Sachen in Ordnung zu halten, bereitete ihr noch Mühe'). Auch da ist dann hinreichend deutlich, dass es einen 'mangelhaften' Ausgangszustand gab bzw. der 'Mangel' immer noch besteht.
Was wäre 'entsprechend handeln' in diesen Fällen? Die Eltern könnten das Kind dazu anhalten (bzw. ihm helfen), sein Mäppchen besser in Ordnung zu halten, Arbeitsblätter regelmäßig abzuheften etc. Bei anderen Punkten, die näher an der individuellen Persönlichkeit des Kindes liegen, wie z.B. Beteiligung am mündlichen Unterricht ist das natürlich nicht so einfach - Ein weites Feld!
Gruß
B&M
Ein weiterer Punkt ist übrigens, dass die Texte ja auch von den Kindern gelesen werden! Da ist es bestimmt sinnvoll weil achtsamer und motivierender, statt fixierender Einordnungen ('Sie war eine faule Schülerin, die ihre Sachen nicht in Ordnung halten konnte') eher Prozesse, und die wiederum - falls möglich - positiv zu beschreiben ('Es gelang ihr mehr und mehr, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Ihre Sachen in Ordnung zu halten, bereitete ihr noch Mühe'). Auch da ist dann hinreichend deutlich, dass es einen 'mangelhaften' Ausgangszustand gab bzw. der 'Mangel' immer noch besteht.
Was wäre 'entsprechend handeln' in diesen Fällen? Die Eltern könnten das Kind dazu anhalten (bzw. ihm helfen), sein Mäppchen besser in Ordnung zu halten, Arbeitsblätter regelmäßig abzuheften etc. Bei anderen Punkten, die näher an der individuellen Persönlichkeit des Kindes liegen, wie z.B. Beteiligung am mündlichen Unterricht ist das natürlich nicht so einfach - Ein weites Feld!
Gruß
B&M
tinius - 18. Jul, 15:20
@katiza : Entsprechend handeln hieße in diesem Falle : erziehen, helfen und kontrollieren, was anhand der Kopfnoten halt gezielter ablaufen könnte.


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