30
Aug
2008

Didaktik

Seminar zu Grundlagen des Projektmanagements. Eine Entscheidung während der Vorbereitung lautet: Ist es besser, die Verfahren an genau dem Typ von Projekten zu erläutern, in dem die TeilnehmerInnen täglich beschäftigt sind? Oder ist es besser, etwas ganz anderes zu nehmen? Für IT-Fachleute also kein IT-Projekt, sondern z.B. den Bau einer Garage.

Für letzteres spricht, so meine ich, einiges:
  1. Die 'Ungewohntheit' des Demonstrationsprojekts fordert und generiert automatisch einen höheren Level von Aufmerksamkeit; sogar eine leichte Irritation wäre OK. Wer 'Bekanntes' zu hören meint, der hört nicht so genau hin: 'Kenn ich schon'.
  2. Wenn in Übungen dann Elemente aus fachspezifischen Projekten behandelt werden, muss wiederum der Transfer von 'Garagenbau' (anhand dieses Beispiels wird der jeweilige neue Input eines Seminarmoduls präsentiert / durchgespielt) zu 'IT' geleistet werden.
  3. Die Teilnehmer sind z.T. bereits erfahrene (Teil)Projektleiter. Die gängigen PM-Vokabeln dürften Ihnen also nichts Neues sein. Die Übertragung dieser scheinbar so abstrakten bzw. technikspezifischen Vorgehensweisen auf einen 'alltäglichen' Phänomenbereich wie Backsteine, Installationsrohr etc. bietet die Chance, dieses Wissen noch einmal interessant durchzurühren. Zugleich anschaulicher (Backstein auf dem Tisch) UND abstrakter.
  4. Die Abbildung des PM-Instrumentatiums auf einen auf den ersten Blick 'nichtkomplexen' Bereich des Alltags (z.B. Garagenbau) verdeutlicht die Universalität des PM-Ansatzes. Letztlich geht es ALLGEMEIN darum, 'how we get things done'. Der Bogen zum persönlichen Aufgaben- und Zeitmanagement kann leichter geschlagen werden.
  5. Bei inhomogenen Gruppen werden Unterschiede in Fachkenntnissen und Erfahrungsbreite nivelliert. Jeder kann mitmachen. Jeder hat schon eine Garage gesehen und kann sich vorstellen, was alles zu tun ist, damit dort, wo früher Wiese war, am Ende das gut geschmierte Tor der Erkenntnis sich öffne.
Risiken:
  1. Die TN bekommen den Eindruck, es handle sich um ein bequem runtergenudeltes Standardseminar, das zu wenig auf ihre spezifischen Interessen ausgerichtet ist. Books hat das schon mal (als Teilnehmer) erlebt (aua).
  2. Der Dozent wird entsprechend schlecht bewertet. 'Der kommt ja gar nicht aus unserer Branche' bis 'Na, richtig Ahnung hat der ja keine!' etc.
  3. Den Teilnehmern wird die Relevanz und Umsetzbarkeit der Inhalte für ihre tägliche Arbeit nicht deutlich.

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yonosequepasara - 30. Aug, 21:04

a. Ich stehe auf solche Ansätze. Ich unterschreibe jeden der Punkte, die dafür sprechen, besonders dieses "anschaulich und doch abstrakter". Wenn man mit einem Problem zu kämpfen hat, sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr - der Sprung auf die Meta-Ebene ist unumgänglich. So ein Ansatz hilft dabei.
Zu den Risiken: Was ich sofort mit einer solchen Gruppe machen würde, sobald ein gewisser Grad an Erkenntnis erreicht wurde, ist ein selbständiges "Was heißt das jetzt für mich in meinem konkreten Bereich", ein Selbsterkennen und -erfahren des schlauen Seminarkonzeptes. Und nach dem fünfhundertdreiunddreißigsten Aha-Erlebnis soll mir dann noch einer kommen von wegen inkompetenter Seminarleiter...
:-)
Viel Erfolg (von dem ich überzeugt bin)!

books and more - 30. Aug, 21:18

Danke für das Feedback, lieber Yono! Den Schritt "Was heißt das jetzt für mich in meinem konkreten Bereich" hatte ich auch schon im Kopf, aber jetzt sehe ich alles nochmal klarer! Thanx! :-))
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