... in ein Wohnzimmer, in dem ich als Kind mit der Großmutter immer an zwei oder drei Nachmittagen die Woche zu Besuch ging. Das Beste (neben dem schönen Muster auf dem dunkelroten Teppich) war, dass es dort, bei Tante E. (die keine echte Tante ist, aber immer so hieß), ein Fernsehgerät gab!
Eben dortselbst mit der Frau Mutter spontan zu Besuch, ein später Nachmittagskaffee mit älteren Damen. Man plaudert über Fußpflege, Tortenrezepte und den kuriosen Umstand, dass man seit einigen Jahren Einladungen des hiesigen Seniorenclubs bekäme. Das sei doch was für alte Leute (wobei man selbst über 80 ist). Für so etwas hat Tante E. auch gar keine Zeit, mit ihrem Selbstversorgergarten. Sie gibt Bemerkenswertes über rationelles Arbeiten in der Küche und überhaupt im Leben zum Besten (ich bin beeindruckt). Man nippt am Kaffee und verspeist die hübsch verzierte Aprikosen-Marzipantorte. Im ursprünglichen Herkunfts- und Kindheitsdialekt (Flüchtlingsschicksale) wird der Geschmack gelobt und dies und das dazugeflochten ... eine eigentümliche Behaglichkeit weht mich an, die mich nicht ohne Rührung an früher erinnert. Sollte die Kindheit am Ende doch gar nicht so übel gewesen sein?
Im Treppenhaus schnuppere ich unauffällig nach dem so sehr charakteristischen, unlösbar synästhetisch mit dem Grau des kalt-glänzenden Steinbodens vermischten Duft von früher. Nach der Renovierung leider bis auf einen leisen Hauch verflogen. In der Küche allerdings hat sich ein Rest Vergangenheit erhalten für die Nase. Und beim Blick aus dem Küchenfenster: Die Ligusterhecke um die Terrasse des Untermieters noch in derselben Form und Höhe wie damals, in der
Frühzeit der IT.
Sie hat mir oft Bücher geschenkt, als Kind. Danke.