Books liebte übrigens schon als Kind Friedhöfe! Und diesen zumal, da ging er gern drin herum mit dem Großvater, da gab es so viel zu sehen! Das liebte er: einfach schauen, sich den Eindrücken und Unterschieden und Nuancen hingeben! Dieser Stein war so und der Stein daneben war anders, und fühlte sich auch anders an beim Schauen! Von schönen hohen Bäumen überragt die Mauern. Die wilden Tauben, die es dort gab! Vielleicht kommt seine Liebe zum Barock ein wenig von den Verzierungen mancher Grabsteine, die ihm gefielen!
Beim Betreten des Geländes durch das kleine Torhaus überholen ihn einige Trauergäste. Das Tor der Aussegnungshalle, in der er selbst schon saß, ist offen, man blickt auf brennende Kerzen, Kränze, Gebinde im Halbdunkel drinnen. Zwischen zwei Lorbeerbüschen betritt ein Pfarrer in Books' Alter die Szene, gerade so groß und mit grade so dunklen Haaren, in schwarzem Talar, mit einer Friedhofsangestellten einige Dinge besprechend. Biografisches Kino, denn das wäre er beinahe geworden, denkt er sich; da würde er selbst jetzt stehen. Beim Verlassen des Friedhofs dann einzelne Worte der Predigt durch die offene Türe zu hören.
Besser so, Herr Books. Stattdessen nun in den Tempeln des Geldes die Schäfchen um sich scharend, auf dass sie freundlich sprächen mit der Gemeinde der Gläubiger und vor allem freundlich miteinander und vor allem recht verständlich, effizient und zielführend!
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Biographicabooks and more - 28. Apr, 18:24
Auf der Rückfahrt aus Mainhattan am Grab der Großeltern in P. vorbeigeschaut. Der Schulfreund der Eltern, der es versorgte, ist nun selbst so gebrechlich, dass das nicht mehr geht. Ein Gärtner wird beauftragt werden. In P. verbrachte Herr Books seine Sommerferien und auch manche Oma-und-Opa-Besuchswochenenden. In P. war und ist alles anders. Die Friedhöfe sind anders gestaltet als im Heimatort, nämlich mit Kieswegen und steinernen Grabeinfassungen, und die Gräber selbst sind nach einem gänzlich anderen Geschmack gestaltet, oft mit Marmorplatten gedeckt. Der Wald ist anders: Kiefern statt des vertrauten Mischwalds, und darunter Brombeerenhecken, von Kaninchen bevölkert, die der kleine Books so gern einmal erwischt hätte mit Pfeil und Bogen ... Auch der Boden, in den die Kaninchen graben, hohe helle Hügel aufwerfend, ist anders: feiner Sand nämlich, und zwar überall! Der ganze Garten ein Sandkasten für enorme Ritterburgen mit exakten Zinnen!
Die Häuser sind kleiner hier, 'Siedlungshäuser' heißen die im Faller-Katalog, hessisch-bäuerlich, kleinbürgerlicher als gewohnt. Viel selbstgebaut nach Krieg und Flucht, angebaut, erweitert - bis heute! Es gab andere Süßigkeiten dort und wie's in der kühlen 'Speiskammer' roch! Die anderen Dialekte: Hessisch auf der Straße und - ebenfalls auf der Straße, am Gartenzaun mit der Nachbarin - der ursprüngliche Dialekt der Familie, den Books am Wohnort sonst nur im Haus hörte, draußen war Schwäbisch. Das andere Brot, und im Garten scharrten die Hühner. Daneben das kleine eigene Maisfeld [!], in dem sich der Großvater versteckte, wenn die Großmutter Aufträge aus dem Küchenfenster schnarrte rief, nicht aufzufinden. Und was man nicht hört, dem muss man nicht folgen, denn man ist ja gar nicht da. Um den Gemüse- und Rosengarten herum ein Gang, von Reben übertunnelt (an einem Drahtgerüst, zwischen selbstgegossenen schlanken Betonpfeilern gespannt). Daraus machte der Großvater seinen eigenen Wein, der in großen Glasballons im Keller lagerte. Ja, und der Geruch des Kellers und wie steil die Treppe war!
Herr Books kauft bei der ergrauten Bäckerin das Brot von früher, als Mitbringsel an seine Eltern, die dort viel Jugend erlebt haben, und vom Waldrand nimmt er ihnen zwei blühende Zweige Flieder mit, herrlich duftend im Regen.
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Biographicabooks and more - 28. Apr, 17:46