Biographica

8
Jul
2009

Für U.

Ich bastle gerade in Visio einen Equalizer und unverhofft tun sich Verbindungen auf. Hier an Deinem alten Schreibtisch. Das hätte Dir nämlich gefallen. Mir fällt jetzt erst auf, wie genau ich damals wohl das Design der Bedienungselemente an Deinen HiFi-Geräten betrachtet habe, als Kind. Damals hast Du im Keller mit irgendeinem Abklebe-und-Belichtungsverfahren Platinen layoutet, und in diesem Zimmer hier roch es nach Lötzinn. Dass man das jetzt am Rechner machen kann, und dass es endlich perfekt ist, milli­meter­genau. Das hätte Dir gefallen. Dass man nichts anderes als Revox kauft, das war klar. Und in einer Kiste steht noch dieser futuristische schwere Edel-Spieler wie aus dem Raumschiff. Der bekommt mal einen guten Platz. 'Na Brüderchen, hast du wieder gewonnen?', das höre ich noch. Wie verdammt schade, dass Du meine Kinder nicht siehst. Hättest Du mal auch ein paar Pillen genommen. And thanks for the music.

2
Jun
2009

Tübingen, Nachmittag (Edit)

Der richtige Ort, wenn man eine gute Auswahl an Lateinlexika sucht. Mal wieder hier. Am alten Ort in neuen Kleidern, neuer Rolle und, ja hoppala, neuen Gefühlen dazu!

Ich sitze nach getätigtem Einkauf dann im Schatten der Stiftskirche vor einem Café. Eine asiatische Musikerin geigt sehr gut etwas von Vivaldi. Tauben fliegen über den Marktplatz, darüber Blau. Alles sehr hübsch, heiter. Mein Tischchen an schönen hohen Lorbeerbüschen. Ein Sommeridyll mit Kaffee und Tabak und lächelnden SMSen. Dabei war mir's im Tageslauf gar nicht so idyllisch. Wohltat des Kleider- und Ortswechsels!

In dieser sitzenden zuschauenden Position schaue ich sozusagen meinem eigenen Leben zu, indem mir der Unterschied zwischen dem Jetzt und den letzten Besuchen hier (nicht zu reden von der Studienzeit) recht bewusst wird. Was sich geändert hat im letzten Jahr!

Und auch die Rolle im Leben, die man sozusagen versiebt hatte, hier, eigentlich mache ich das nun doch. Ein wenig anders, ein wenig anderswo, auf anderen Wegen, aber eigentlich ist es das doch, und vielleicht besser als hier am Ort damals je geträumt. Darin nun weiter, besser, nun los!

Außerdem denke ich an jemanden, hier im leichten Tweed in der Sonne, gegenüber dem Antiquariat Heckenhauer, eine Tasche voller Buchgeschenke auf dem Stuhl neben mir, und jemand denkt an mich.

30
Mai
2009

Ute

Gestern am Wege der 'Carrara Funeral Tour' ein Besuch bei Freunden der Eltern. Mit deren Sohn verbrachte der kleine Großeltern-Sommerferien-Books manche Nachmittage. Die Familie hatte nämlich einen großen Garten mit Sandboden zum Burgenbau und der Sohn eine umfangreiche Sammlung von Ritterfiguren zum Bemannen derselben. Außerdem eine Sammlung von kleinen Jugendbüchern in quadratischem Format, ich erinnere mich an Robin Hood und etwas mit Weltraum, ja sapperlott, das war wohl mein erstes Science-Fiction-Buch!

Noch spannender war allerdings die ältere Schwester, die ich zum Schwindligwerden schön fand. Lockige dunkelblonde Haare, Hippie­mantel mit Fellrand und weinrotes Mofa, auf dem ich sogar einmal hintendrauf mitgefahren bin. Freilich war sie sozusagen Generationen älter und der kleine Books wirklich noch klein und wusste nichts von der Liebe. Trotzdem genug, um begeistert zu sein wie noch nie. Da hängt sie also, im Bilderrahmen. Überhaupt so eine Zeitreise gestern, vom Grabkies nicht zu reden!

21
Mai
2009

o.T.

UD-Koenigssee

Tonspur, auf endlos.

Ausgefeiert, ausgeschlafen

Geburtstagsfest des Herrn Books Senior. Für mich immer der Eindrücke- & Biographiethemen-Overkill. Fotografien auf dem Bord, und es reicht mir eigentlich schon für den ganzen Tag. 'Schön' ist es gewesen, versichert man sich am Ende, und ich taumle zu Bett, um viel später als sonst und ziemlich erschossen aufzuwachen. Aber ein schönes Gespräch mit der Freundin des Sohnes der Cousine gehabt. Wenn jemand von seiner Therapie erzählt, ist das allweil ein Lichtblick, erst recht auf der sonnigen Terrasse. Etwelche Honoratioren waren wg. anderer Termine gar nicht erst da und das war auch kein Fehler, da ich auf Einblicke in manche, sagen wir: 'Gedankenwelten' gern verzichte. Seit Jahren geselle ich mich da lieber zur schwäbischen Nachbarin (~60), die da auch nicht so richtig dazugehört, und gehe mit ihr im Garten eine rauchen, zwischen Hecken und blühenden Stauden auf die Filderebene hinabblickend. Ihr Gras gehört mal wieder gemäht, meint sie, 'Aber woisch, lass wachsa ...'

So. Kaffee. Buch.

28
Apr
2009

An der Bergstraße II

Books liebte übrigens schon als Kind Friedhöfe! Und diesen zumal, da ging er gern drin herum mit dem Großvater, da gab es so viel zu sehen! Das liebte er: einfach schauen, sich den Eindrücken und Unterschieden und Nuancen hingeben! Dieser Stein war so und der Stein daneben war anders, und fühlte sich auch anders an beim Schauen! Von schönen hohen Bäumen überragt die Mauern. Die wilden Tauben, die es dort gab! Vielleicht kommt seine Liebe zum Barock ein wenig von den Verzierungen mancher Grabsteine, die ihm gefielen!

Beim Betreten des Geländes durch das kleine Torhaus überholen ihn einige Trauergäste. Das Tor der Aussegnungshalle, in der er selbst schon saß, ist offen, man blickt auf brennende Kerzen, Kränze, Gebinde im Halbdunkel drinnen. Zwischen zwei Lorbeerbüschen betritt ein Pfarrer in Books' Alter die Szene, gerade so groß und mit grade so dunklen Haaren, in schwarzem Talar, mit einer Friedhofsangestellten einige Dinge besprechend. Biografisches Kino, denn das wäre er beinahe geworden, denkt er sich; da würde er selbst jetzt stehen. Beim Verlassen des Friedhofs dann einzelne Worte der Predigt durch die offene Türe zu hören.

Besser so, Herr Books. Stattdessen nun in den Tempeln des Geldes die Schäfchen um sich scharend, auf dass sie freundlich sprächen mit der Gemeinde der Gläubiger und vor allem freundlich miteinander und vor allem recht verständlich, effizient und zielführend!

An der Bergstraße

Auf der Rückfahrt aus Mainhattan am Grab der Großeltern in P. vorbeigeschaut. Der Schulfreund der Eltern, der es versorgte, ist nun selbst so gebrechlich, dass das nicht mehr geht. Ein Gärtner wird beauftragt werden. In P. verbrachte Herr Books seine Sommerferien und auch manche Oma-und-Opa-Besuchswochenenden. In P. war und ist alles anders. Die Friedhöfe sind anders gestaltet als im Heimatort, nämlich mit Kieswegen und steinernen Grabeinfassungen, und die Gräber selbst sind nach einem gänzlich anderen Geschmack gestaltet, oft mit Marmorplatten gedeckt. Der Wald ist anders: Kiefern statt des vertrauten Mischwalds, und darunter Brombeerenhecken, von Kaninchen bevölkert, die der kleine Books so gern einmal erwischt hätte mit Pfeil und Bogen ... Auch der Boden, in den die Kaninchen graben, hohe helle Hügel aufwerfend, ist anders: feiner Sand nämlich, und zwar überall! Der ganze Garten ein Sandkasten für enorme Ritterburgen mit exakten Zinnen!

Die Häuser sind kleiner hier, 'Siedlungshäuser' heißen die im Faller-Katalog, hessisch-bäuerlich, kleinbürgerlicher als gewohnt. Viel selbstgebaut nach Krieg und Flucht, angebaut, erweitert - bis heute! Es gab andere Süßigkeiten dort und wie's in der kühlen 'Speiskammer' roch! Die anderen Dialekte: Hessisch auf der Straße und - ebenfalls auf der Straße, am Gartenzaun mit der Nachbarin - der ursprüngliche Dialekt der Familie, den Books am Wohnort sonst nur im Haus hörte, draußen war Schwäbisch. Das andere Brot, und im Garten scharrten die Hühner. Daneben das kleine eigene Maisfeld [!], in dem sich der Großvater versteckte, wenn die Großmutter Aufträge aus dem Küchenfenster schnarrte rief, nicht aufzufinden. Und was man nicht hört, dem muss man nicht folgen, denn man ist ja gar nicht da. Um den Gemüse- und Rosengarten herum ein Gang, von Reben übertunnelt (an einem Drahtgerüst, zwischen selbstgegossenen schlanken Betonpfeilern gespannt). Daraus machte der Großvater seinen eigenen Wein, der in großen Glasballons im Keller lagerte. Ja, und der Geruch des Kellers und wie steil die Treppe war!

Herr Books kauft bei der ergrauten Bäckerin das Brot von früher, als Mitbringsel an seine Eltern, die dort viel Jugend erlebt haben, und vom Waldrand nimmt er ihnen zwei blühende Zweige Flieder mit, herrlich duftend im Regen.

10
Mrz
2009

Dance Recall

Zwischen den immer wieder überraschenden Youtube-Funden von Dr. Schein stieß ich heute auf meine eindrücklichste Erinnerung an die Tanzstundenzeit: this one. Das fand ich damals sehr klasse, und die Worte 'machine' und 'town' im Liedtext waren irgendwie synästhetisch vermischt mit den Future-fantasy-Weltraumbildern auf den Covern der Heyne-Sciencefiction-Taschenbücher, die ich mir damals in ziemlichen Mengen kaufte - allein wegen dieser Bilder vorne drauf und der Poesie der Titel! Futuristische Städte und Raumschiffe und die Weite zwischen den Sternen! Links unten im Vordergrund die Jupiterringe. Einmal nach so einer Tanzstunde war ich auch das erste Mal bei McDonald. Auch insgesamt war da so einiges grauslig oder erschien so. Aber diese Musik war toll. Tango auch. Das würde ich gern mal richtig lernen. In Berlin war ich viel später dann mal Salsa tanzen, aber mit der Begleiterin funkte es nicht so richtig in den Hüften.

27
Feb
2009

Aerobic

Das neueste Video von Cuppy erinnert mich an meine Jugend als Geräteturner (irgendwann war ich dann leider zu groß und bin auf Volleyball umgestiegen). An einem der 4-5 Abende pro Woche in einer modernen Halle im Nachbarort, die sich die Turner mit einer Aerobic-Gruppe teilten. Die Truppe hatte eine superscharfe Vortänzerin in superknappem Outfit, irgendwie vom anderen Stern, und Books eh noch sehr grün hinter den Ohren aber sehr beeindruckt. Und zu der stampfenden Musik (und im Bewusstsein weiblicher Zuschauer) trainierte es sich super, das lockte einem die letzten Energien raus (und verführte zu Halsbrecherischem an der Leistungsgrenze, was man sich allein wohl nicht getraut hätte) und war ein reizvoller Kontrast zum hochkonzentrierten Immer-wieder-dasselbe-Übungsteil, allein in der Ecke 50 mal Salto rückwärts springen von immer niedrigeren Absprungplattformen oder was auch immer. Coole Zeit. Und mein Bruder=Trainer lebte auch noch. Scheisse.

24
Okt
2008

Family Business

So!, denkt sich Herr Books mit kalten Händen, dieselben am Whisky wärmend. Ein Nachmittag im Dienst der Familie, aber verdammt kalt draußen! Der Frau Großmutter das Grab gerichtet, dem Herrn Bruder ebenso, verdammt lang her, der Frau Mutter die beleuchtete Leselupe repariert, verdammt schlechte Augen, dem Herrn Vater wie alljährlich das Riesentrumm von Engelstrompete (Stammdurchmesser >10 cm) zum Überwintern in den Keller geschleppt. Verdammt schwer!

Jetzt erst mal schaun, was es Neues gibt in den elektrischen Salons!
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Kommentare bei Books

'Ich werde an diesen...
'Ich werde an diesen Veranstaltungen erst wieder teilnehmen,...
Benedicta (Gast) - 7. Nov, 01:43
nebenbei, wussten sie...
nebenbei, wussten sie eigentlich, dass das letzte todesurteil...
schneck08 - 7. Nov, 00:12
Ein Kommen und Gehen!...
Ein Kommen und Gehen! Aber Hauptsache, Ihre Frisur...
books and more - 6. Nov, 13:11
Ich komme gerade, aber...
Ich komme gerade, aber gut, dann halt: Gute Nacht!
rinpotsche - 5. Nov, 23:04
Eher ein Helm, gegen...
Eher ein Helm, gegen Stein- und jahreszeitlich bedingten...
books and more - 5. Nov, 17:52
Ich stelle mir vor, wie...
Ich stelle mir vor, wie Ihre Haare ins Bild kämen,...
acqua - 5. Nov, 15:18

Kommentare von Books

Gebenedeit, wer solche...
Gebenedeit, wer solche Tanten hat! Haben Sie gar ihr...
gaga - 6. Nov, 23:55
Empfehle dies oder Sonnenschirmständerfuß...
Empfehle dies oder Sonnenschirmständerfuß...
puddingschnittchen - 6. Nov, 16:07
Toll! :-)
Toll! :-)
puddingschnittchen - 6. Nov, 13:51
Ein Kommen und Gehen!...
Ein Kommen und Gehen! Aber Hauptsache, Ihre Frisur...
booksandmore - 6. Nov, 13:11
Machen Sie's!
Machen Sie's!
puddingschnittchen - 5. Nov, 20:17
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walhalladada - 5. Nov, 18:15

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