Blogging Theory

15
Jan
2008

Ich finde Bloggen toll, weil ...

... es [in den Kommentaren] so dialogisch ist! Was da entsteht und sich im Austausch noch immer besser formt, das entstünde 'allein' niemals! Für mich schlichtweg die geniale, passende Schreib-Form!

5
Dez
2007

Tagebuch vs. Blog (II)

Bei Frau Wortwahl gibt's ja einen beinahe schon akademisch fetten Diskussionsstrang zum Thema. Ich kopiere mir mal einen meiner Kommentare hierher; als Reminder, um vielleicht irgendwann weiter daran herumzudenken.

Anregung: Kommentare hierzu bitte (auch) bei Frau Wortwahl.

-

Eine interessante Frage: 'warum legen leute öffentliche tagebücher an, wenn sie doch im stile eines tagebuchs die privatesten dinge erzählen?' [a.a.O.] Mir fallen spontan drei Antworten bzw. Aspekte ein:

(1) Es ist die Technik der Blog-Software, die mir ohne eigene Layout- oder Programmierungsmühen eine schöne klare Seitenstruktur auf den Bildschirm zaubert; die Inhalte werden automatisch nach Datum sortiert (und sind über das Kalender-Modul gezielt ansteuerbar); es gibt die (für Kartei- und Ordnungsfreaks wie mich) berauschende [!] Möglichkeit, Rubriken anzulegen, umzubenennen etc.
Gerade für Leute mit Internet-Affinität, oder Leute, die beruflich viel im Netz sind, ist das einfach eine sehr naheliegende, ja verlockende Art von E-Notizbuch. Das will man vielleicht auch einfach mal (als technische Möglichkeit, Tagebuchinhalte zu schreiben) ausprobieren. Spieltrieb, neue Fischertechnik-Packung sozusagen ...

(2) Durch das Online-Stellen gewinnen die Inhalte einen höheren Grad an (mir fehlt der passende Begriff) 'schwarz auf weiß', an 'Fixiertheit', evtl. sogar 'Werkhaftigkeit'. Das ist ein ähnlicher gefühlter Unterschied, wie wenn ich Handschriftliches früher auf Schreibmaschine übertrug. [Vielleicht versteht jemand, in welche Richtung ich hier denke und kann es besser formulieren]

(3) Vielleicht ist es so, dass man auch bei privatesten Gedanken doch eigentlich den Wunsch hat, sie mit einem Gegenüber zu teilen [in Philosophiesprech: Der Mensch ist auf ein Gegenüber hin angelegt]. Im Idealfall mit dem Liebespartner. Mit Freunden. Auch das klassische Tagebuchschreiben auf Papier - schreiben wir da nicht oft mit Gedanken an einen anderen Menschen, mit dem mitschwingenden Wunsch, die bestimmte Person X (oder eben ein verstehender, seelenverwandter IRGENDWER) möge das jetzt doch erfahren, teilen, sehen? Uns selbst in diesem intimen Text sehen? (Der Wunsch der Seele, gesehen zu werden).

3
Dez
2007

Tagebuch vs. Blog (I)

Frau Wortwahl stellt zu Recherchezwecken für eine Seminararbeit die Frage nach dem Unterschied zwischen Online-Tagebüchern und Blogs und bittet um Kommentare. Unterstützen wir die Wissenschaft, meine Damen und Herren!

Da mein Kommentar ein bisserl lang geraten ist, pappe ich ihn mal hierher:

-

Ich bejahe die These, dass 'ein Weblog kein Online-Tagebuch' ist.

Begründungen (ohne Allgemeinheitsanspruch und nur bezogen auf das Blog 'Booksandmore') in zufälliger Reihenfolge:
  1. Im Blog (zumindest in meinem 'booksandmore') wird sehr stark gefiltert, was geschrieben (=gezeigt) wird und was nicht. Ganze Themenbereiche, die mir für ein (On- oder Offline-)Tagebuch gerade zentral wichtig wären, kommen hier nicht zur Sprache
  2. Es kommt mir im Blog nicht auf 'Vollständigkeit' und 'Regelmäßigkeit' an, wie ich das in einem Tagebuch zumindest tendenziell anstreben würde
  3. Das spielerische Element (Wortspiele, Hyper-Collagen by Links etc.) ist sehr viel stärker als in einem Tagebuch. Das Blog (zumindest meines) hat damit auch eine starke 'Schauseite', Beiträge werden (auch) mit Blick auf mögliche LeserInnen geschrieben und auf optimale Wirkung hin verfeinert (z.B. 'literarisch Misslungenes' wird auch mal gelöscht; ein Beitrag wird gekürzt; ein Scherz wird möglichst gut herausgearbeitet - warum sollte ich das in einem Tagebuch machen?)
  4. Ein bloßes Tagebuch hat keine Kommentarfunktion. In meinem Blog gewinnt die Kommunikation mit anderen in Form von Kommentar-Dialogen (und zwar sowohl im eigenen Blog als auch in den Blogs andererInnen) zunehmend an Gewicht. Dabei ist es mir tendenziell egal, wo meine Texte letztlich stehen: als Beitrag im eigenen Blog oder als Kommentar in anderen.
  5. Die Dialoge und dialogischen Spielereien in Kommentarbereichen haben oft nichts mehr mit 'Selbsterlebtem' zu tun, wie ich es in ein Tagebuch schreiben würde. Vielmehr entstehen in diesen Wechselspielen sowohl inhaltlich als auch formal spezifische Inhalte, die ich alleine gar nicht zustande brächte.
  6. Durch das gegenseitige Lesen und Kommentieren hat ein Blog (nicht so stark ein Tagebuch) eine soziale Dimension. Es entstehen 'echte' Beziehungen zwischen Menschen, die durchaus auch ins reale Leben erweitert werden können. Das Blog kann sogar gezielt genutzt werden, um z.B. regionale Blogrolls und/oder Bloggertreffen anzuregen und zu organisieren. Hier ein Beispiel.
  7. Eine Zwischenform zwischen Blog und Tagebuch wären Blogs wie z.B. das von Svarupa, in dem die Kommentarfunktion deaktiviert ist. Hier ist allerdings noch eine Mailadresse angegeben als Kontakt- und quasi (nichtöffentliche) Kommentarmöglichkeit.
  8. Entsprechend dem dialogischen Aspekt eines Blogs gibt es eine Menge von Regeln ('Blogetikette'? 'Blogette'?) für die Interaktion, die ich zwar noch nicht ganz durchschaue (oder die sich noch gar nicht als verbindlich etabliert haben?), die es aber für eine monologische Veranstaltung wie ein Tagebuch evidenterweise nicht gibt bzw. auch nicht geben muss.
>> Fortsetzung in diesem Beitrag.

1
Dez
2007

Frage zur Blogette

oder Blog-Etikette oder so ...

Ich habe bei Frau Zuckerwatte gerade ein (verkleinertes) YouTube-Fensterchen in meinen Kommentar gepappt - aber gleich wieder gelöscht. Mir schien das nicht korrekt, ein Übergriff, ein Sich-ungefragt-breitmachen im nichteigenen Gelände.

Wie sehen die geschätzten BloggerInnen das? Ich habe da keine klare Einschätzung, kein sicheres Gefühl.

14
Okt
2007

To cry or not to cry ...

Dieser Eintrag nebst Kommentar_1 und Antwort auf diesen Kommentar ist ein aufschlussreiches Beispiel für die Blogging-Grundfrage schlechthin; ob man denn nun ein sozusagen ganz privates, ja intimes Tagebuch schreibt (wobei es weit intimer sein kann, von Gefühlen als über Sex zu schreiben), oder ob man dabei auf LeserInnen und deren evtl. Reaktionen / Bewertungen schielt und sich entscheidet, doch eher auf der Hut zu bleiben, sich im Zweifel doch lieber bedeckt zu halten ...

Ich bin mir da noch nicht schlüssig. Auf jeden Fall aber punktgenau beim aktuellen Lebensthema. Auch gut :-)

Was will ich hier zeigen, wie weit will ich gehen (spontan würde ich sagen: sehr weit)?

Ein Blog als Plattform für scherzhaft-geistreiche Dialoge, für selektive, immer wieder ironisch gebrochene Selbstdarstellung, für Small Talk und Wortspielerei?

Oder einfach mal ein zensurfreier Schreibraum? Und damit auch ein Tool für unerschrockene Selbsterforschung?

Ein aus meiner Sicht sehr beeindruckendes und lesenswertes Beispiel für die letztere Art sind diese Seiten.

3
Okt
2007

Blogging limits

Vielleicht eine gute Sammlung wäre die folgende: Was ist Weblogschreiben NICHT? Was kann es nicht leisten? Bzw. Was will ich in diesem Blog gar nicht leisten? (z.B. lückenlose Aufzählung alles Relevanten).

Gut zu wissen, das erspart einem Unklarheiten, Enttäuschungen, verzettelte Energie.

Nr.1 wäre: Blogs sind kein Kontaktersatz (zumindest nicht für das, was ich mir im vollen Sinn unter Kontakt vorstelle). Das wurde mit heute morgen noch einmal klar, als ich an anderer Stelle folgendes Zitat fand:

'... dass menschlicher Kontakt durch die Verbindung von Haut, Augen und Klang der Stimme entsteht. Das sind die Dinge, die uns gelehrt wurden, bevor wir Worte hatten.'

[Virginia Satir, 1916-1988, ohne genaue Quellenangaben]

30
Sep
2007

Company Blog?

Der SlideShare-Fund läßt mich wieder mal über die Idee eines Firmen-Blogs nachdenken, verlinkt auf der Firmen-Website.

Hm ...

Würde schon passen. Als Beispiel für Social Software, die im weiteren Sinne (als Tool für Projekt- bzw. Team- Kommunikation) durchaus zu unserem Profil paßt. 'Die nutzen das ja selbst, cool!'

Andererseits habe ich ähnliche Versuche in der Vergangenheit schnell wieder aufgegeben. Die Veröffentlichung von Firmeninterna und Persönlichem kollidiert schnell mit dem Ziel, ein cleanes und professionelles Außenbild abzugeben, die Veröffentlichung von Beispielen und Anekdoten aus dem Seminarbetrieb kollidiert leicht mit dem Verschwiegenheitsgebot gegenüber dem Auftraggeber und dem Vertrauensverhältnis zum einzelnen Teilnehmer. Das geht nun überhaupt nicht.

Na mal sehen. Bei Gelegenheit Filter einschalten und ausprobieren.

Ist vielleicht sogar eine nette Übung. In der normalen Kommunikation wird ja auch permanent gefiltert.

29
Sep
2007

Zielgruppe / Zweck

Interessant ist ja die Frage: Wozu und für wen man so etwas wie dies hier schreibt. Und ob sich die Antwort im Lauf der Zeit ändert. Da ich dieses Blog als Erweiterung zu meinem Profil bei FriendScout begonnen habe, scheint das 'Für wen?' klar zu sein, nämlich für Leserinnen, die den dortigen Link anklicken. Zweck Nr.1 wäre also Selbstpräsentation und ein erweitertes Flirten [zumindest das 'Sich-Zeigen'-Element des Flirts].

Mindestens ebenso sehr, das merkte ich bald, schreibe ich das aber einfach für mich, und das ist auch gut so. Eine andere Form des Tagebuchs. An manchen Tagen hat dieser Aspekt die Oberhand. Freilich ist auch dann noch eine Art 'Flirtfilter' aktiv: das Bewußtsein, jetzt liest das die-und-die, und was will ich eigentlich zeigen und was nicht, und was schreibe ich hier also und was nicht.

Das hat gar nichts von Sich-Verstellen.

Wie man sich in einer Gesellschaft, in der bestimmte Personen anwesend sind, oder in der man sich generell in einer angemessenen Weise präsentieren verhalten will, sich unmerklich auf eine bestimmte Weise verhält und auf andere Weisen nicht.

Well, all that's pretty normal. Dennoch ermüdet es manchmal sehr, denn im Grunde [und damit zurück zum Zweck Nr.1 'Flirten'] wünschen wir uns ein Gegenüber, bei dem wir einfach wir selbst sein können.

25
Sep
2007

Impression vs. Identity

Ich frage mich, was dieses Weblog (bzw. die Summe der Einträge bisher) eigentlich für einen Eindruck auf eine Leserin macht, die dem Link in meinem Friendscout-Profil hierher gefolgt ist. Welches Bild da entsteht?
Und wie nahe oder fern dieses Bild den Dingen stünde, die dann wirklich wichtig wären zwischen uns ...

11
Sep
2007

A Case of Identity

Beim Bloggen (wie beim Kennenlernen) stellt sich die Frage: Was zeige ich von mir? Nicht im Sinne von 'Welchen Eindruck möchte ich erzeugen?', 'Welche Fassade will ich zeigen?' oder gar 'Wie wäre ich gern?'. Das spielt immer mit.
Die schwierigere Frage ist aber: Was zeige ich von dem, was (meiner momentanen Wahrnehmung nach) da ist? Und wann wäre eine solche Liste vollständig? Wann wäre ein Punkt erreicht, an dem ich sagen kann: 'Ok, so bin ich, jetzt ist alles Wichtige gezeigt'?
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