Bei Frau Wortwahl gibt's ja einen beinahe schon akademisch fetten Diskussionsstrang zum Thema. Ich kopiere mir mal einen meiner Kommentare hierher; als Reminder, um vielleicht irgendwann weiter daran herumzudenken.
Anregung: Kommentare hierzu bitte
(auch) bei
Frau Wortwahl.
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Eine interessante Frage:
'warum legen leute öffentliche tagebücher an, wenn sie doch im stile eines tagebuchs die privatesten dinge erzählen?' [a.a.O.] Mir fallen spontan drei Antworten bzw. Aspekte ein:
(1) Es ist die
Technik der Blog-Software, die mir ohne eigene Layout- oder Programmierungsmühen eine schöne klare Seitenstruktur auf den Bildschirm zaubert; die Inhalte werden automatisch nach Datum sortiert (und sind über das Kalender-Modul gezielt ansteuerbar); es gibt die (für Kartei- und Ordnungsfreaks wie mich) berauschende [!] Möglichkeit, Rubriken anzulegen, umzubenennen etc.
Gerade für Leute mit Internet-Affinität, oder Leute, die beruflich viel im Netz sind, ist das einfach eine sehr naheliegende, ja verlockende Art von E-Notizbuch. Das will man vielleicht auch einfach mal (als technische Möglichkeit, Tagebuchinhalte zu schreiben) ausprobieren. Spieltrieb, neue Fischertechnik-Packung sozusagen ...
(2) Durch das Online-Stellen gewinnen die Inhalte einen höheren Grad an (mir fehlt der passende Begriff) 'schwarz auf weiß', an '
Fixiertheit', evtl. sogar 'Werkhaftigkeit'. Das ist ein ähnlicher gefühlter Unterschied, wie wenn ich Handschriftliches früher auf Schreibmaschine übertrug. [Vielleicht versteht jemand, in welche Richtung ich hier denke und kann es besser formulieren]
(3) Vielleicht ist es so, dass man auch bei privatesten Gedanken doch eigentlich den
Wunsch hat, sie mit einem Gegenüber zu teilen [in Philosophiesprech: Der Mensch ist auf ein Gegenüber hin angelegt]. Im Idealfall mit dem Liebespartner. Mit Freunden. Auch das klassische Tagebuchschreiben auf Papier - schreiben wir da nicht oft mit Gedanken an einen anderen Menschen, mit dem mitschwingenden Wunsch, die bestimmte Person X (oder eben ein verstehender, seelenverwandter IRGENDWER) möge das jetzt doch erfahren, teilen, sehen? Uns selbst in diesem intimen Text sehen? (Der Wunsch der Seele, gesehen zu werden).